Zukunftsweisende eBook-Projekte stellen sich vor

Mit dem Förderpreis »Evolving Books – Digitaler Mehrwert für Bücher« hatte die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen in diesem Frühjahr zum Wettbewerb aufgerufen. Ziel war es, neue, spannende und witzige Ideen für die Weiterentwicklung des digitalen Buches zu finden. Dotiert war der Preis für die Hauptgewinner mit 25.000 €. Die Sieger sollten damit die Möglichkeit haben, frei von ökonomischen Problemen ihre Ideen umzusetzen. Insgesamt bewarben sich 19 Projekte mit zusätzlich 20 Partnern. Die Teilnehmer setzten sich zusammen aus dem Bereich der Verlagswirtschaft, der Software- und Computerspielbranche und der Audio- und Filmproduktion.

Wie sehen nun diese zukunftsweisenden digitalen Bücher aus? Was macht sie so anders im Vergleich zum normalen Buch? Im Folgenden stellen sich die drei Hauptgewinner vorund gewähren uns einen Einblick in die zukünftigenEntwicklungen der eBooks. 

Berlin Verlag in Zusammenarbeit mit brainpets – digitalisierte Kinderbücher

Bei diesem Projekt handelt es sich um die mediale Überarbeitung von Kinderbüchern. Sie sollen durch interaktive Elemente erweitert werden. Kinder sollen Bücher nicht nur anschauen, sondern auch durchschauen. Geschaffen wird dies durch die Animation einzelner Charaktere im Buch, die in Kombination mit Spielabschnitten stehen. Audiobeiträge, eine Mitlesefunktion, Interaktion durch Berühren und Sachhinweise schaffen einen neuen Mehrwert und machen das Kinderbuch neu erlebbar. Den Entwicklern ist es dabei jedoch wichtig, dass das Buch ein Buch bleibt und sich nicht in ein (Computer-)Spiel verwandelt.

Cornelsen Verlag – »Das Chemiebuch neu entdecken«

Ausgangspunkt für diese Idee war es, das klassische Schulbuch mit einem eBook so zu erweitern, dass die Wissensvermittlung auf verschiedenen Ebenen abläuft und somit ein höherer Erkenntnisgewinn erreicht wird. Am Beispiel des erklärungsbedürftigen Fachs Chemie präsentierte der Verlag sein »Buch der Zukunft«: Mithilfe von Augmented-Reality (Visualisierung von Informationen) soll Wissen erfahrbar und begreifbar gemacht, komplexe Lerninhalte wie abstrakte Formeln und Elemente lebendig vermittelt werden. So werden beispielsweise mit 3D-Modellen die Elemente des Periodensystems anschaulich dargestellt. Auch gefährliche Experimente werden mit Hilfe von Videos oder Animationen nachvollziehbar. Cornelsen schafft es, die traditionelle Lernumgebung mit digitalen Medien zu verknüpfen. Bereits im Frühjahr 2011 soll der Prototyp fertig sein.

Vergangenheitsverlag – Multimedialer Stadtführer Berlin (Fallbeispiel Schlossplatz)

Die Idee war die Entwicklung eines digitalen Stadtführers zur Geschichte und Gegenwart Berlins. Durch eine multimediale Topografie der Stadt kann der Benutzer Berlin individuell für sich entdecken. Das heißt, dass es mit Hilfe von Videos, Bildern und Texten aus der Vergangenheit und Gegenwart möglich ist, Sehenswürdigkeiten neu zu erleben, sie in verschiedenen Zeitebenen zu sehen und unmittelbare Vergleiche ziehen zu können. Die Einbindung sozialer Netzwerke wie facebook oder twitter stellen bei diesem Projekt eine ganz neue Ebene für das eBook dar; man kann sich direkt über Gesehenes austauschen. Weitere Features des multimedialen Stadtführers beinhalten die Möglichkeit, eigene Stadttouren zusammenzustellen (historische Tour, kinderfreundliche Route, etc.), einen Schnitzeljagdmodus, Suchformulare und vieles mehr.

Sonderpreis – Pictoplasma Project

Ein Sonderpreis ging an das Projekt der Berliner Firma Pictoplasma Project. Mit der Digitalisierung, der 2. Auflage ihrer erstmalig 2006 erschienenen Enzyklopädie über grafisch reduzierte Figuren (so genannte Icons), haben sie ein Nischenprodukt geschaffen. Hierbei können die Icons, je nach dem, was sie darstellen (z.B. einen Eskimo), dem Künstler, der sie kreiert hat, zugeordnet oder ausdrucksähnliche Figuren digital nachgeschlagen und individuell sortiert werden. Die Stiftung möchte mit dieser Auszeichnung dem Anspruch gerecht werden, neue Leserkreise und Märkte auch für solche Produkte zu gewinnen. Interessant ist der unterschiedliche Umgang der Verlage mit den Mitteln, die ein eBook bereitstellt, respektiv auf das Genre angewandt. Ob sich das eBook jedoch beispielsweise im Kinderzimmer wirklich durchsetzt, bleibt abzuwarten.   

Weiterführende Links:

http://www.berlin.de/projektzukunft/wettbewerbe/evolving-books/

http://publishing.pictoplasma.com/