Gautschfest 2012 - Eine Tradition lebt weiter

»Man soll den Unfug, die Fehlerhaftigkeit, die Murkserei und Hudelei der Lehrzeit beseitigen. Fehler und Makulatur soll es nach dem Gautschfest nicht mehr geben.« 

Diese historische Freisprechungszeremonie des Gautschens, die den Buchdruckerlehrling nach bestandener Abschlussprüfung in den Gesellenstand überführt, lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Tradition wurde in seinen Anfängen durch die Gesellen selbst eingeführt und fand sehr schnell seine Position in der Druckerausbildung. Obwohl es an der Fakultät Medien der HTWK Leipzig keine Lehrlinge gibt, wurde am 30. Mai 2012 erneut das jährliche Gautschfest am Gutenbergplatz zelebriert. Die Teilnahme von Studierenden der Fachrichtungen Buch- und Medienproduktion, Druck-, Verpackungs- und Medientechnik am Bleisatzpraktikum machte die Studenten des zweiten Semesters zu »Kornuten«, wie die Anwärter in den Gesellenstand genannt werden. 

Der Begriff »Gautschen« stammt ursprünglich aus der Fachsprache der Papiermacher und bezeichnet das Ablegen des frisch geschöpften Papierbogens vom Sieb auf eine Filzunterlage, der erste Entwässerungsschritt nach dem Schöpfen des Papiers. Auch unseren Studierenden blieb dieser Schritt nicht erspart. Nachdem die Studenten der Fakultät Medien vom Gautschmeister Thomas Schulze namentlich aufgerufen wurden, erhielten sie eine letzte Chance ihrem feuchten Schicksal zu entrinnen. Doch einmal von den Packern, wie die Gehilfen des Gautschmeisters genannt werden, ergriffen, wurden die insgesamt 63 Kornuten von ihnen auf einen nassen Schwamm gesetzt und anschließend im Gautschbottich untergetaucht. Gautschtrunk und Gautschbrief besiegelten zu guter Letzt den Akt des Gautschens. 

Zeitweise war der Gautschbrief bei den Arbeitgebern in gleicher Weise akzeptiert wie das Lehrlingszeugnis. Leider geriet seine Bedeutung sowie der feierliche Brauch des Gautschens während der Industrialisierung in Vergessenheit. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde in vielen deutschen Druckereibetrieben das Gautschen wieder eingeführt. 

Mit dem traditionellen Buchdruckergruß »Gott grüß die Kunst!« wünschen wir den frisch gegautschten Studenten alles Gute und trösten sie mit der Aussicht, dass sie im nächsten Jahr selbst die Packer sein dürfen.