Ein Blick zurück auf das Buchjahr 2015

Das Jahr in Zahlen 

Das Jahr 2015 war für den Buchmarkt und die Branche ein turbulentes Jahr. Nicht zuletzt, weil sich die Prognosen, die am Anfang des Jahres formuliert wurden, bewahrheiteten. Nachdem 2014 der Umsatz im Buchhandel um 2,1 Prozent zurückging, sagten die Prognosen für 2015 einen weiteren Rückgang der Umsatzwerte an. Laut einer Statistik von statista.com über die Umsatzentwicklung auf dem Buchmarkt 2015, die im 1. Halbjahr herausgegeben wurde, bestätigt sich diese Vermutung. Im Bereich der Belletristik sanken die Umsatzwerte in Deutschland um 1,8 % im Vergleich zu den Vorjahreszahlen. Auch andere Sparten wie Kinder- und Jugendbuch und Ratgeber haben ein Minus zu verzeichnen. Innerhalb der Kategorie der Reiseliteratur gab es eine Steigerung der Zahlen von 1,1 % und im Sachbuchreich ebenfalls einen Anstieg von 0,7 %. Aber im Allgemeinen ist ein Rückgang des Umsatzes deutlich ersichtlich. Noch unklar ist der Grund für diesen Trend. Denn auch wenn einer der Gründe die gesteigerte Beliebtheit der E-Books und des Onlinehandels sein könnte, erklärt dies nicht den Verlust, den die Verlage verzeichnet haben. 

Im Vergleich zu dem Rückgang der Umsatzzahlen in der Schweiz und in Österreich, steht Deutschland jedoch deutlich besser da. Die Schweiz zum Beispiel verzeichnet bei den Sachbüchern und Ratgebern einen Verlust von 7,7 %. Österreich ordnet sich im Sachbuchbereich mit -3,4 % und im Ratgeberbereich mit -4,1 % zwischen den beiden Nachbarländern ein. 

Im Juli wurden die Auswirkungen der Gewinnverluste auch in der Presse deutlich. Denn die im Jahr 2014 in Insolvenz gegangene Verlagsgruppe „Weltbild“ hinterließ im letzten Jahr erneut Spuren in den Medien. Nachdem die Augsburger „Weltbild“-Zentrale 67 Buchhandlungen an die „Leseart GmbH“ des Unternehmers Rüdiger Wenk verkaufte, ging dieser im Juli 2015 Bankrott. 

Unabhängig von Umsatzzahlen zeigen die Besucherzahlen der Buchmessen in Leipzig und Frankfurt wie groß dennoch das Interesse an Büchern und der Branche ist. Seit 2007 kann die Leipziger Buchmesse steigende Besucherzahlen feststellen. 2015 (insgesamt circa 186.000 Besucher) konnten sich 11.000 mehr Leute für die Buchmesse begeistern als 2014. In Frankfurt verhält es sich ähnlich – wobei dies natürlich in anderen Größenordnungen stattfindet. 2015 besuchten die Frankfurter Buchmesse rund 275.000 Interessierte. Im Vorjahr waren es circa 269.600 Besucher. Somit ist auch hier ein Anstieg der Besucherzahlen festzustellen und lässt ein steigendes Interesse an der Branche vermuten. Daher werden Aufschwünge der Verlagsbranche vermutlich auf März, Oktober und Weihnachten fallen. 

Aus einer Umfrage des „Börsenblattes“ ging hervor, dass kurz vor dem Jahresende zur Weihnachtszeit in den deutschen Buchhandlungen ein Anstieg der Verkäufe verzeichnet werden konnte. Im Zeitraum vom 24. November bis 24. Dezember wurden dafür stichprobenartig 50 Buchhandlungen im ganzen Land befragt. Die Umfrageergebnisse zeigten ein Umsatzplus von 1,6 % zum Vorjahr. Vor allem kauften Leser das Buch von Jojo Moyes „Ein ganz neues Leben“ und „Gregs Tagebuch 10 – So ein Mist“ von Jeff Kinney. 

Das schönste Buch des Jahres 2015 

Die „Stiftung Buchkunst“ hatte in diesem Jahr ­­wieder die Qual der Wahl und prämierte aus 756 eingesandten Titeln 25 Gewinner. Dabei wurden jeweils 5 Bücher in den Kategorien Allgemeine Literatur, Fachbücher/Wissenschaftliche Bücher/Sachbücher/Schulbücher, Ratgeber, Kunstbücher/ Fotobücher/Ausstellungskataloge, Kinderbücher/Jugendbücher prämiert. Aus allen Gewinnern wurde am 03. September 2015 ein einzelner Titel mit dem „Preis der Stiftung Buchkunst“ ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Die Wahl fiel dabei auf das vom Verlag „Die Anderen Bibliothek“ herausgegebene Buch „69 Hotelzimmer“. 

Der von Michael Glawoggers verfasste Roman handelt von einem neugierigen Mann, der durch seine Reisen und den damit verbundenen Aufenthalten in Hotels immer neue Menschen kennenlernt. Gestaltet wurde der Roman von Andreas Töpfer und Katrin Jacobsen. Ein besonderes Merkmal fällt dem Leser erst im Dunkeln auf. Denn die Schrift auf dem Buchrücken leuchtet in der Dunkelheit und vermittelt im Zusammenspiel mit dem orangefarbenen Bezugsmaterial den Schein eines älteren Hotelschildes. Im gesamten Buch wird der Leser immer wieder in die Atmosphäre eines Hotelzimmers versetzt, inhaltlich sowie gestalterisch. Doch lenkte die Branche ihren Blick im letzten Jahr nicht nur auf die schönsten Bücher des Jahres, sondern auch auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt. 

"Bücher sagen Willkommen" 

Auf die am Anfang des neuen Jahres immer noch präsente Flüchtlingskrise hat im letzten Jahr auch die Verlagsbranche mit sozialen Projekten reagiert. Neben lebensnotwendigen Bedürfnissen wie Verpflegung und Unterkünften ist ein wichtiger Bestandteil der Integration die Bildung und Kultur. So sammelte die Branche im letzten Jahr unter der Aktion „Bücher sagen Willkommen“ rund 20.000 Euro. Durch die gemeinsame Initiative des „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“, der „Frankfurter Buchmesse“ und der „LITCAM“ soll Flüchtlingen der Zugang zu Lern- und Lesematerial vereinfacht und ihnen die deutsche Sprache schneller vermittelt werden. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei, dass durch die finanzielle Unterstützung aus der Branche, Lern- und Leseecken in den Flüchtlingsunterkünften eingerichtet und mit Lern- und Lesematerialen ausgestattet werden. Doch nicht nur in finanzieller Hinsicht beteiligten sich die Verlage, sondern auch durch das zur Verfügung stellen von kostenlosen Wörterbüchern und Lexika. Da das Thema auch in diesem Jahr an Bedeutung beibehält, wird sich die Verlagsbranche weiterhin mit sozialen Projekten für Flüchtlinge auseinandersetzen und Prognosen zu Folge in manchen Richtungen auch ihr Programm im Rahmen der fremdsprachigen Bücher erweitern. 

So kann man zusammenfassend sagen, dass das Jahr 2015 aus der Sicht der Branche – trotz einiger Tiefschläge – ein Jahr mit vielen schönen Ereignissen und einigen neuen Entwicklungen war. Ein Jahr, in dem sich einige Türen schlossen und sich neue Wege eröffneten. Und aus der Sicht des Käufers und Lesers gab es wieder viele neue schöne Bücher, die auf den Markt kamen, die inhaltlich und gestalterisch das Auge erfreuten. Denn man darf nie vergessen, trotz der technischen Entwicklung und der Verbesserung der E-Books, kann man das Gefühl, ein Buch in der Hand zu haben, nicht ersetzen.