Booktube- Lesekritik 2.0?

Seit jeher werden Bücher durch die Leserschaft besprochen, weiterempfohlen und kritisiert. Oftmals helfen Rezensionen in Zeitungen, die dann ausschnittsweise im Klappentext erscheinen, bei der Kaufentscheidung. TV-Formate wie das „Literarische Quartett“ oder die „Leseshow“ mit Katrin Bauerfeind, die bisher eine beliebte Art der Literaturkritik darstellten, könnten zukünftig durch „BookTube“ Konkurrenz im Internet bekommen. Hierbei handelt es sich um Videos auf der bekannten Video-Streaming-Plattform „YouTube“, bei denen User Beiträge zu Büchern erstellen und Nutzern und Nutzerinnen zugänglich machen. Dabei veröffentlichen die sogenannten „Booktuber“ Videos mit Rezensionen zu Neuerscheinungen und Lieblieblingstiteln oder Buchdiskussionen und teilen diese mit ihren Zuschauern und Zuschauerinnen.

Wie auch bei anderen YouTube-Kanälen, zum Beispiel Film- oder Computerspielblogs, ist die Verwendung von Affiliate Links, also die Verlinkung von Verlagen oder Anbietern wie Amazon eine gängige Art der Einnahmengenerierung. Das bedeutet, dass die Videoerstellenden, verbunden mit einer kleinen Provision, unter ihren Videos auf Homepages hinweisen, auf denen die Zuschauenden Produkte oder Dienstleistungen erwerben können. Im Gegenzug erhalten die Referenten oft auch Leseexemplare oder Bücherpakete.

Im Ausland spielte BookTube bisher eine wesentlich größere Rolle als in Deutschland. Der bekannteste Kanal ist derzeit der der amerikanischen Initiatorin Christine Riccio namens „polandbanansBOOKS“ mit aktuell 372.525 Abonnenten. Zu den erfolgreichsten deutschen Video-Bloggern im Buchbereich zählt der Kanal von Andrea Kossmann namens „KossisWelt“, auf dem die 46-jährige Bürokauffrau auf unterhaltende Art und Weise, Lieblingsbücher und Neuerscheinungen locker und ungezwungen bespricht. Außerdem gibt Frau Kossmann ihren Fans einen Einblick in ihr Leben, indem sie beispielsweise über Ernährung und Fitness spricht. Der Erfolg dieser BookTuberin spiegelt sich in der Zahl von 13.000 Abonnenten wider.

Im Gegensatz zu den klassischen, seriösen, Literaturkritiken handelt es sich bei BookTube eher um Beiträge von Lesenden für Lesende, die ihren Spaß am Lesen und an Büchern kundtun und mit der Community teilen. Daher haben zahlreiche Verlage die Werbekraft der YouTube-Kanäle für sich entdeckt und versuchen diese als zusätzliches Marketing-Tool zu nutzen, wodurch die Videoblogger für ihre Leistungen teilweise entlohnt werden. Laut Andrea Kossmann handelt es sich jedoch dabei eher um eine Art Nebenjob als um eine Haupteinnahmequelle. Für die Verlage ist diese Art von Marketing eine große Chance, junge Zielgruppen zu erreichen, die von den TV-Formaten vielleicht nicht angesprochen werden können. So hat beispielsweise der Random House Verlag im März 2015 ein eigenes Bloggerportal eingerichtet, auf dem ausgewählte Booktuber Neuerscheinungen des Hauses präsentieren.

Ob deutsche BookTube-Kanälen zukünftig an den Erfolg ausländischer Kanäle anknüpfen können, wird sich zeigen. Jedoch ist jetzt schon klar, dass die Symbiose aus Printprodukten und digitalen Medien ein vielversprechender Weg für Marketing in der Verlagsbranche sein kann.