Tanizaki Jun’ichirō – „Lob des Schattens“

In diesem Artikel befassen wir uns mit einem Werk aus der fernöstlichen Ecke unserer Goldschatztruhe:
Das etwa 100 Seiten umfassende Buch präsentiert eindrucksvoll den Essay „Lob des Schattens“, geschrieben vom japanischen Autor Tanizaki Jun’ichirō, gerade auch durch die historischen und biografischen Anmerkungen, welche das Werk einrahmen und abrunden.
Dass es bereits zu Beginn der 1930er Jahre geschrieben und veröffentlicht wurde, fällt nicht direkt auf, da besprochene Thematiken noch bemerkenswert aktuell sind. Einerseits reizt an vielen Stellen Tanizakis weitreichendes Ästhetikverständnis, andererseits befasst er sich auch mit gesamtgesellschaftlichen Aspekten der Globalisierung, welche auch heute noch durchaus von Interesse sind. So schafft er es, die modernen Errungenschaften der Zivilisation ausdrücklich schätzend, trotzdem eine gewisse Zurückbesinnung auf traditionelle Besonderheiten zu legen. Gerade kulturelle Unterschiede und Entwicklungen werden so besonders deutlich.
Tanizaki, welcher 1886 in Tokio geboren wurde, gilt als einer der bedeutendsten japanischen Autoren der Moderne und war zu Lebzeiten sehr produktiv, woraus sein großes sowie ausgesprochen facettenreiches Werk resultiert. Die besonders sprachsensible Übersetzung ins Deutsche, welche der emeritierte Japanologie-Professor Dr. Eduard Klopfenstein anfertigte, ermöglicht beim Lesen ein Gefühl für Tanizakis zurückhaltende und dezente Sprache. Sich selbst nicht zu ernst nehmend ist er stellenweise durchaus witzig und ironisch aufgelegt, regt aber auch Assoziationen an und lässt Platz zum Nachdenken. Seine sinnlich- bildlichen und aufs Detail bedachten Beschreibungen ermöglichen sogar der Atmosphäre auf einer Toilette einen gewissen Charme abzuverlangen.
Auch aus herstellerischer Perspektive ist das Buch eine wahre Perle: Den Schutzumschlag, welcher von außen das Gefühl eines sehr groben, organisch wirkenden Papiers vermittelt, ziert eine an Pinselstriche erinnernde Grafik. Ähnlich wie der holzartige, mit einer interessanten Reliefhaptik versehene Einband ist das gesamte Buch gestaltet. Bis auf die Kalligrafie eingangs ist es vollkommen in Schwarz, Weiß und Grautönen gefasst und spielt auf diese Weise geschickt mit Titel und Thematik.
Aufgrund der bereits erwähnten, sehr angenehmen Formulierungen ist das Lesen ein wahrer Genuss und ermöglicht den Lesern das Erweitern ihres Horizontes in Gebieten wie Architektur oder auch Kunst und Kultur.
Das qualitativ ausgesprochen hochwertig verarbeitete Buch ist ausschließlich als Hardcover beim Schweizer Manesse-Verlag für 14,95€ zu erwerben.

 

Autor: Lucas Keppler

Bild: Sophia Dubiel