Ein kleiner Blick in die Geschichte der Zine-Kultur

"I can write anything and just put it in a zine, and then it's out there. It is like blogging but on paper. It is what I started to do before the computers were all popular." - Mark Gonzales

Aus der eigenen Jugend kennen sicher viele noch die Schülerzeitung, die irgendwo in einer Kiste auf dem Dachboden verstaubt und in der man eines Tages voller nostalgischer Erinnerungen umherblättert, um die von Schülern liebevoll selbst gestalteten Berichte und Artikel über den Schulalltag zu lesen. Alles war selbstrecherchiert, lektoriert und gesetzt, meist ohne wirkliche praktische oder professionelle Erfahrung aus der herstellerischen oder journalistischen Branche. Mit ähnlichem Konzept entstehen sogenannte Zines (abgeleitet vom englischen Wort "magazine") -do-it-yourself-Magazine publiziert von selbstständigen Personen oder Gruppen, die nur in geringer Stückmenge herausgegeben werden und von jedem erstellt werden können, der etwas zu sagen und Zugang zu einem Fotokopierer und Heftklammern hat. Ohne Intention auf Profit werden hier Artikel, Literatur, politische Meinungen oder Kunst (oder alles zusammen) in kleinen, subkulturellen Zirkeln und abseits des Mainstreams veröffentlicht, ohne dass ein Verlag oder anderer Herausgeber als man selbst dahintersteht.

Ihren Ursprung finden Zines in den USA, als 1930 das erste Science-Fiction-Fanzine "The Comet" erschien. In diesem Genre bewegten sich die meisten Anfänge dieser Publikation, so auch das erste deutsche Fanzine "Andromeda", welches vom Science-Fiction Club Deutschland 1955 herausgebracht wurde. Das zunächst im Wachsmatritzendruck hergestellte Heft sollte die Clubmitglieder und Fans mit Gruppenberichten, Erlebnissen von Scifi-Conventions, Leserbriefen sowie literarischen Kurzgeschichten unterhalten und wird heute noch immer publiziert.

Doch Science-Fiction war nicht das einzige Nischengebiet, dass durch das Medium des Zines bereichert werden konnte. In den 1970ern erlebten Zines durch die Verbreitung des Fotokopierers vor allem in der Punk-Szene großen Zuwachs. Mit der immer populärer werdenden Rockmusik schossen auch die dazugehörigen Fanzines aus dem Boden, die die Leser mit Konzertberichten, Interviews mit lokalen Bands oder Rezensionen derer neu erschienenen Tapes versorgten. Meist wurde eine Art Dummy aus den rudimentärsten Mitteln erstellt - aus analog entwickelten Fotos, Ausschnitten aus der Tageszeitung und selbstgemalten Zeichnungen wurden mit Klebeband Cover zusammengebastelt, die dann zusammen mit auf Schreibmaschine getippten Texten je nach Bedarf auf eigene Kosten vervielfältigt wurden. Gebunden wurde mit dem, was es zur Hand gab - in Handarbeit mit Nadel und Faden oder einem Tacker.

In den neunziger Jahren wurden Zines ein essentieller Bestandteil der "Riot Grrrl"-Bewegung. Hier traf Punk auf Feminismus und neben popkulturellen Inhalten fanden auch politische Themen Einzug in die Zine-Kultur. Der Untergrund-Charakter der Bewegung wurde durch das Selbstpublizieren von Magazinen und Heften unterstützt. Diese waren ein geeignetes Mittel, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen, zu organisieren und gemeinsam ein Projekt umzusetzen, in welchem man seine politische, im Mainstream nicht vertretene Meinung zum Ausdruck bringen konnte.

Durch das Internet wurden viele Zines durch sogenannte E-Zines abgelöst, meist in Form von Blogs oder eigenen Webseiten. Hierdurch können Kosten und Zeit gespart werden, da es heutzutage durch die zahlreichen kostenfreien Content-Management-Systeme so gut wie jedem möglich ist, eine Plattform zum Publizieren von Artikeln und Beiträgen zu erstellen und zu gestalten - genau wie es damals mit den "klassischen" Zines möglich war. Dennoch ist die nicht-digitale Zine-Kultur nicht ausgestorben. In Deutschland gibt es zum Beispiel das Zinefest Berlin (http://zinefestberlin.com/), auf dem die selbsternannten Autor*innen und Hersteller*innen ihre selbstkreierten Werke ausstellen und Workshops geben oder an diesen teilnehmen können.

Durch den raren Charakter und die Subversion der Magazine sind sie heutzutage leider kaum in herkömmlichen Bibliotheken zu finden, weswegen das Archiv der Jugendkulturen (http://www.jugendkulturen.de/) es sich zur Aufgabe gemacht hat, herausgegebene Zines zu sammeln und zu archivieren, um die Geschichte dieser Kultur zu bewahren.

 

Autorin: Jasmin Einert