FE-Schrift

Eine gute Lesbarkeit, ein ökonomischer Platzbedarf und ein großer Zeichenumfang sind typische Kriterien, die eine Schrift erfüllen sollte, um sich im Satz von längeren Fließtexten (sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form) durchsetzen zu können. Über den Einsatz extravaganter Auszeichnungsschriften als Gestaltungsmittel lässt sich sicher streiten – doch es gibt auch einen Anwendungsbereich, in dem erst die sonderbare und einzigartige Gestalt einer Schrift diese in unserem alltäglichen Leben erfolgreich machte! Die Rede ist von der FE-Schrift, vielleicht besser bekannt als die Schrift der Autokennzeichen.

Entwickelt wurde dieser charakteristische Font von dem Schriftdesigner und Kalligraphen Karlgeorg Hoefer im Auftrag des deutschen Straßenverkehrsministeriums und seit der Einführung des „Euro-Kennzeichens“ in den 90er Jahren ist er aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Die Besonderheit der Schrift liegt nicht in ihrer Ästhetik, sondern in der „fälschungserschwerenden“ Gestalt, wofür die Abkürzung FE steht. Anders als bei der vorher verwendeten DIN-1451-Mittelschrift ermöglicht es die FE-Schrift nicht mehr, KFZ-Kennzeichen zu fälschen, indem Buchstaben mit etwas Farbe oder durch Abdecken in andere, von der Form her ähnliche Buchstaben, verwandelt werden. Dies erlaubt heute auch die Verwendung der vermeintlich veränderbaren Buchstaben B, I, G, F, O und Q im Mittelteil des Kennzeichens, welche früher ausgeschlossen waren. Darüber hinaus eignet sich die neue Schrift besser für die maschinelle Erfassung von Kennzeichen und Verwechslungen von Zeichen werden weitestgehend ausgeschlossen.

Da die FE-Schrift ursprünglich nur für die Verwendung auf Kennzeichen designed wurde, beschränkt sich der Zeichensatz auf Großbuchstaben, Umlaute, Ziffern und den Bindestrich sowie einige besondere Zusatzzeichen. Es gibt jedoch einige an die FE-Schrift angelehnte Schriften, welche diesem Problem durch einen größeren Zeichenumfang entgegenwirken sollen.

Von den Vorzügen, die der Einsatz der FE-Schrift im Verkehrswesen mit sich brachte, profitieren heute nicht nur EU-Staaten, sondern auch zahlreiche andere Länder auf der ganzen Welt. So wurde aus einem kleinen Stück Schriftgeschichte ein gemeinsames Stück Kultur!