Palatino

 

Die Schriftart Palatino wurde im Jahre 1949 von dem Kalligraphen und Schriftentwerfer Hermann Zapf für die Schriftgießerei D. Stempel AG entworfen und zählt zu den weit verbreitetesten Schriften der Welt.

Typograf Hermann Zapf selbst wurde am 8. November 1918 in Nürnberg geboren und gehört zu den berühmtesten deutschen Schriftgestaltern. Schon frühzeitig erkannte Zapf seine Leidenschaft für die Kalligrafie, welche sich wie ein roter Faden durch sein Leben zog. In den 1940er und 1950er Jahren war er unter anderem als selbstständiger Kalligraf und danach als künstlerischer Leiter bei der D. Stempel AG sowie als Buch- und Schriftgestalter in verschiedenen renommierten Verlagshäusern wie Suhrkamp oder den Carl Hanser Verlag tätig. Später arbeitete er bei der Entwicklung der Schriften für das Satzprogramm TeX mit. Das letzte Schrift-Design-Projekt, an dem Herman Zapf mitarbeitete, war die Übertragung des Schreibschriftstils ins Arabische. Hermann Zapf verstarb am 4. Juni diesen Jahres.

Im Laufe seines Lebens schuf Zapf mehr als 200 Schriften, darunter eine seiner bekanntesten, die Palatino. Abgeleitet ist der Name von dem italienischen Meister der Kalligrafie des 16. Jahrhunderts, Giambattista Palatino.

Die Palatino diente zunächst dem Privatdruck der Prachtausgabe Goethes „Von der dreifachen Ehrfurcht. Gedanken Goethes über Erziehung zum edlen Menschentum“ anlässlich dessen 200. Geburtstages im August 1949. Im darauffolgenden Jahr erschien sie dann offiziell für Hand- und Linotypesatz.

Bei der Entwicklung seiner Schrift betrat Zapf Neuland. Gemeinsam mit August Rosenberger untersuchte er die technischen Voraussetzungen, über die eine Serifenschrift verfügen muss, um auch im Offsetdruck auf minderen Papieren ohne Qualitätseinbußen druckbar zu sein. Zapf baute seine Palatino dabei auf antiken Proportionen der Renaissance auf. Gemäß der DIN 16518 gehört sie aufgrund ihrer Merkmale damit in die Gruppe der Französischen Renaissance-Antiqua.

Die Schrift selbst läuft vergleichsweise breit, wodurch sie einen standhaften Charakter erhält. Dies wiederum fördert eine besonders gute Leserlichkeit und ein ruhiges Schriftbild sowie eine deutliche Zeilenbildung, wodurch sie bevorzugt in Romanen oder anderen längeren Lesetexten verwendet wird. Weiterhin wird sie als klassisch sowie sehr warm und freundlich empfunden.

Zu den charakteristischen Merkmalen der Palatino zählen unter anderem das Nichtberühren von Kopf und Bein am Schaft des Großbuchstabens „R“ sowie das Fähnchen am selbigen Kleinbuchstaben. Weiterhin verfügt sie über ein akkurat doppelstöckiges „g“.

Gemeinsam mit Akira Kobayashi überarbeitete Zapf seine Palatino im Jahre 2004 in ihrer vollständigen Form und veröffentlichte diese unter dem Namen „Palatino-Nova“ für den Digitalsatz. Die Veröffentlichung beinhaltete zehn Schnitte sowie einen umfangreicheren Zusatzzeichenvorrat. Grund für die Überarbeitung war unter anderem die Entwicklung der Laserdrucker für die kommerzielle Nutzung, bei deren Nutzung die „Original-Palatino“ nach Zapf ihren Charme und ihre Eleganz verlor.

Anwendung findet die Palatino heute vorwiegend in Fließtexten. So verwendet die Publikumszeitschrift „Vanity Fair“ die Palatino teilweise als Auszeichnungsschrift in ihren Artikeln. Weiterhin hat der berühmte englische Verlag „Faber and Faber“ in der Vergangenheit den Großteil seines Programms (auch die Titelseiten) in der Palatino gesetzt. Die Palatino Nova hingegen wird gern als Hausschrift von Universitäten und Instituten im Corporate Design aufgenommen. Beispiel dafür ist die Friedrich-Schiller-Universität in Jena.