Hommage an eine Ikone der Druckkunst

Ausstellung zur Raamin-Presse von Roswitha Quadflieg im Museum für Druckkunst Leipzig

Betritt man derzeit den Raum für Sonderausstellungen in der dritten Etage des Museums für Druckkunst in Leipzig, so findet man sich zwischen anspruchsvoller und beeindruckender Buchkunst wieder. Es werden die Werke von Roswitha Quadflieg gezeigt, welche in den Jahren 1973 bis 2003 im Zuge des Betriebes der »Raamin-Presse« in Schenefeld bei Hamburg in sorgfältiger Arbeit entstanden sind. Die Ausstellung zeigt 19 von insgesamt 28 Drucken aus 30 Jahren. Die gezeigten Werke der Künstlerin, mit limitierten Auflagen zwischen 100 und 195 Exemplaren, sind allesamt Originalgrafiken.

Den Anfang der Ausstellung bildet Quadfliegs letztes Werk, die Erstveröffentlichung von Samuel Becketts Hamburg-Kapitel der »German diaries« unter dem Titel »Alles kommt auf so viel an«, damals erhältlich für 1000,- Euro. Dieses Werk der Buchkunst, gesetzt in »Gill mager«, eingebunden in einem geprägten Pappband und gedruckt auf blauem Büttenpapier stellt für Roswitha Quadflieg den Höhepunkt ihrer Laufbahn als Buchkünstlerin dar. Nach der Veröffentlichung des Werkes schloss sie 2003 die Raamin-Presse und widmet sich seitdem ihrem Schaffen als Schriftstellerin.Im weiteren Verlauf der Ausstellung begibt man sich auf eine Reise zu den Ursprüngen. Angefangen mit dem aktuellsten und letzten Werk der Raamin-Presse, werden immer ältere Werke gezeigt, bis hin zum ersten Druck von 1973. Bei diesem ersten Druck der Raamin-Presse wurde das Gedicht »Frau Grau« von Raoul Tranchirer mit vier Holzstichen illustriert, als Schrift diente die »Garamond«. Diese bedruckte Broschur kostete zum Erscheinen laut Aussage der Künstlerin etwa 45,- Mark. Heute werden die Exemplare für 600,- bis 800,- Euro gehandelt.Die weiteren Exponate der Ausstellung illustrieren verschiedenste Werke der Literatur. So findet man unter anderem Gedichte von Novalis und Georg Trakl, ein Fragment von Johann Wolfgang von Goethe, Prosastücke von Franz Kafka und Märchen von Philipp Otto Runge. Neben den Drucken selbst werden Originaldruckformen, Prägeplatten für Einbände und Fotos und Ausschnitte aus den »Schenefelder Nachrichten«, welche Quadfliegs Schaffen dokumentieren, gezeigt.

Die technische Verwirklichung der Graphiken reichen von Schnitten in Miraclon und Astralon über herkömmliche Holzschnitte bis hin zu Kunstharzstichen. Erwähnenswert ist auch die Vielfalt an Schriften, welche über die Jahre bei den verschiedenen Buchkunstwerken verwendet wurden. Ist es beim ersten Druck die »Garamond«, so ist es beim letzten und wichtigsten Werk die »Gill mager«. Hans Magnus Enzensbergers »Ohne uns. Ein Totengespräch» ist in der »Grotesque bold« und der »Vendome« gesetzt, Novalis‘ »Fabeln« bedienen sich der »Baskerville« in Versalien, während »Der Zauberflöte zweiter Teil« von Johann Wolfgang von Goethe in der »Romulus« und »Cancelleresca Bastarda« gesetzt ist.

Desweiteren können sich die Besucher der Ausstellung sowohl durch einen Auszug aus der Sendung »Kulturweltspiegel«, wie auch aus der Radio-Sendung »Doppelkopf« Hintergrundwissen zu Roswitha Quadflieg und Samuel Becketts »Hamburg-Kapitel« aneignen.Die Ausstellung ist für Interessierte noch bis zum 5. Januar 2014 zu besichtigen.

 

Öffnungszeiten des Museum für Druckkunst Leipzig

Mo-Fr: 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr, Sa geschlossen

Dauer der Ausstellung »Roswitha Quadflieg: Raamin-Presse, 1973 – 2003, ein Bücherleben«

vom 20. September 2013 bis 05. Januar 2014

Museum für Druckkunst Leipzig

Nonnenstraße 3804229 Leipzig Telefon: 0341/23162-0