Fanfictions - Vom Fan zum Autor

„Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe“ sind zweifelsohne zwei der erfolgreichsten Fantasy-Reihen unserer Zeit. Die ohnehin schon große Anhängerschaft der Bücher wird zusätzlich durch die Verfilmungen erweitert, sodass diese Werke große Fan-Gemeinschaften aufweisen. Zum Unmut vieler eingefleischter Fans wurden die Hauptgeschichten von „Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe“ bereits von den Autoren abgeschlossen. Dementsprechend behelfen sich Fans ̶ sie schreiben ihre eigenen Geschichten, sogenannte Fanfictions. 

Was sind Fanfictions? 

Das Wort Fanfiction setzt sich zusammen aus dem Wort „Fan“, also einem Anhänger einer Geschichte oder Sache, und „Fiction“ (dt. Fiktion). Folglich handelt es sich dabei um selbst ausgedachte Kurzgeschichten, die von Fans geschrieben und im Internet auf Foren veröffentlicht und geteilt werden. 

Dabei müssen sich die Fanfictions jedoch nicht immer auf das Fantasy-Genre beziehen. Es gibt zahlreiche Fangeschichten, deren Basis Daily-Soaps, Animes (japanische Zeichentrickserien), Science-Fiction, reale Personen und sogar Computerspiele sind. Die Themen sind dabei unerschöpflich. 

Die Gründe für das Ausdenken, Niederschreiben, aber auch das Lesen einer Fangeschichte können vielfältig sein. Im Falle der bereits genannten Beispiele kann es sein, dass eine gute Buch- oder Filmreihe beendet ist, sich die Fans aber dennoch austauschen möchten und viele Ideen haben, wie die Geschichten weitergehen könnten. Dementsprechend führen die Fans dann die Hauptstory des ursprünglichen Autors fort. Weiterere Gründe können die Unzufriedenheit mit der Entwicklung eines Handlungsstrangs oder das Ende selbst sein. Diese Fanfictions spielen dann in einem alternativen Universum, in dem Tatsachen aus der eigentlichen Geschichte des Autors, zum Beispiel der Tod eines Charakters, ignoriert werden und somit ein komplett neuer Handlungsstrang entsteht. Außerdem kann das sogenannte „Shipping“ für das Schreiben und Lesen von Fanfictions ein Grund sein. Dieser Begriff leitet sich aus dem englischen Wort „Relationship“ (dt. Beziehung) ab und bezeichnet den Wunsch von Beziehungen auf freundschaftlicher oder romantischer Basis zwischen Charakteren, die es in der Originalstory wahrscheinlich nicht geben wird. Möglich ist dabei auch ein „Crossover“. Das bedeutet, dass Charaktere unterschiedlicher Geschichten aufeinander treffen, zum Beispiel aus dem Genre Science-Fiction und Fantasy. 

Der Hauptgrund für Fangeschichten ist jedoch schlicht und einfach das Austauschen von Gedanken mit Gleichgesinnten. 

Was sagen die Autoren zu den Fanfictions? 

Mittlerweile gibt es im Internet zahlreiche Foren, in denen täglich Fanfictions gepostet werden – sehr zur Freude der Fans. Die Autorenschaft ist dabei aber gespaltener Meinung. 

J. K. Rowling, Autorin der „Harry Potter“-Reihe, begrüßt die Fangeschichten über Harry und Co. und freut sich über das dauerhaft große Interesse an der Zauberwelt. Ihre einzige Bitte an die Hobbyschriftsteller ist jedoch, dass diese ihre Geschichten nur zum nichtkommerziellen Zweck veröffentlichen und dass sie inhaltlich für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche lesbar bleiben. Dies schließt beispielsweise obszöne Handlungsstränge aus. Rowling selbst veröffentlicht weiterhin auf der Seite „Pottermore“ kleine Hintergrundgeschichten einzelner Charaktere wie beispielsweise von Prof. McGonagall oder den Dursleys. 

Stephanie Meyer, Autorin der „Twilight“-Reihe, ermutigt die Autoren der Fanfictions sogar, ihre eigenen Geschichten zu schreiben. Laut ihrer Meinung, gibt es sowohl gute als auch schlechte Fanfictions. Diejenigen, die gute Geschichten schreiben und sehr viel Arbeit und auch Talent dorthinein stecken, sollten laut Meyer ihre eigenen Geschichten kreieren und Bücher herausbringen. Weiterhin erläutert sie auch, dass sie der ständigen Diskussion über Fanfictions müde sei. Dabei war Meyers „Twilight“-Reihe Grundstein für „Shades of Grey“ von E. L. James, die die Geschichten zuerst als Fanfiction veröffentlichte. Später änderte James die Namen der Charaktere und das Buch wurde 2011 veröffentlicht. 

Der Autor von „Das Lied von Eis und Feuer“ George R. R. Martin, dessen Buchreihe Vorlage für die erfolgreiche TV-Serie „Game of Thrones“ ist, äußert sich negativ zum Thema Fanfictions. Er selbst bezeichnet seine Charaktere als „seine Kinder“ und möchte nicht, dass jemand anderes über sie Geschichten schreibt als er selbst. Mit dieser Meinung steht Martin nicht allein da. Zahlreiche Autoren und Autorinnen, wie Anne Rice (Chronik der Vampire) und Diana Gabaldon (Highland-Saga), teilen seine Ansichten. 

Und damit stehen sie auch hinter ihrem Recht: Die ausgedachten Charaktere, Handlungsstränge und Orte unterliegen dem Urheberrecht der Autoren. Die Nutzung und Veröffentlichung dieser darf dementsprechend nur nach Erlaubnis der Urheber geschehen. So könnte ein Autor, wenn er eine Fangeschichte über seine Charaktere auf einer Website findet, darauf bestehen, diese entfernen zu lassen. In extremen Fällen kann es auch zu einer strafrechtlichen Konsequenz kommen. 

Trotzdem findet man zahlreiche Fanfictions im Internet, denn viele Autoren erkennen auch wichtige Vorteile in ihnen: Kontakt zu den Lesern und Marketing.