Hanfpapier - Das Papier der Zukunft?

Im vorletzten Artikel wurde über Papier aus Gras berichtet und auch in dieser thematisiert Papier aus „Gras“, nur in einem anderen Sinn.

Hanf besitzt weit mehr Potential als das eines Rauschmittels. Es zählt als Pflanzengattung zur Familie der Hanfgewächse und gilt als die älteste Nutzpflanze weltweit. Die ältesten Funde sind 10.000 Jahre alt. Bekannt ist Hanf als die Droge Cannabis, bietet darüber hinaus auch andere Verwendungszwecke. So kann es beispielsweise in der Medizin als Medikament gegen Schmerzen angewendet.

Aber nicht nur die berauschende Wirkung dieses Gewächses ist von Bedeutung. Die Pflanzenfasern können als Rohstoff für Papier, Textilien und sogar als Baustoffe dienen. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Verwendungszwecke. Bestimmte Sorten wachsen in kurzer Zeit bis zu einer Höhe von sieben Metern. Das ist für die industrielle Kultivierung und Rohstoffausbeute durchaus lukrativ. Dadurch ist es möglich, dass ca. 0,4 Hektar Hanf 1,66 Hektar Holzbestand ersetzen könnten. Dieser Aspekt ist auch für die Papierindustrie von Interesse. Nicht nur das enorm schnelle Wachstum der Pflanze ist beachtlich, sondern auch ihr Ertrag. Hinzu kommt, dass die Hanfpflanze dreimal pro Jahr, auch in sonnenärmeren Regionen, geerntet werden kann.

Des Weiteren sind die Hanffasern länger als die Fasern anderer Pflanzen, weshalb man daraus ein strapazierfähigeres und reißfesteres Papier herstellen kann. Außerdem kann es häufiger recycelt werden, da die Fasern langer und beständiger sind, als von anderen Pflanzen, die zur Papierherstellung genutzt werden. Beim Recycling werden die Pflanzenfasern kürzer, weshalb es länger dauert bis die Fasern für die Papierherstellung unbrauchbar sind. Zusätzlich enthält Hanf weniger Lignin als Holz. Lignin sorgt dafür, dass Papier vergilbt und zerfällt, deshalb wird dieser Stoff aus herkömmlichem Papier mit chemischen Verfahren herausgelöst, was wiederum die Umwelt stärker belastet. Dieser Prozess sorgt für den Zerfall von Büchern, welchen man beispielsweise in Bibliotheken beobachten kann.

Hanf ist ein umweltfreundlicher Rohstoff, der sowohl in seinen Varianten, als auch seinen Einsatzmöglichkeiten vielfältig ist. Man sollte ihn nicht immer nur auf seine berauschenden Eigenschaften reduzieren - welche im Übrigen nur die weiblichen Pflanzen aufweisen - sondern die Pflanze in ihrer Gesamtheit betrachten. Daher sollte für die Papierindustrie Hanfpapier der Rohstoff der Zukunft sein, sofern dies nicht in sandpapierartigen Taschentüchern resultiert, das wäre für die Nase wohl weniger angenehm.

 

Literatur:

G. Holzmann, M. Wangelin, R. Bruns (2012): Natürliche und pflanzliche Baustoffe: Rohstoff - Bauphysik – Konstruktion. 2., akt. und erw. Aufl. Springer Vieweg.

T. Miedaner (2018): Genusspflanzen. Springer Verlag.