Niederlande

Der kleine Nachbar – auf dem Weg aus der Krise durch großen Zusammenhalt.

Die Niederlande erholen sich aus der Krise und stellen eine neue junge Literaturgarde, die sich sehen lassen kann. Mit vereinten Kräften kommen Verlage und Buchhändler Schritt für Schritt wieder zu Kräften.

Größe/Volumen

  • Einwohnerzahl: 16,9 Mio. (Juni 2015)
  • BIP pro Kopf: 662,8 Mrd. Euro (2015)
  • Anzahl der Verlage: 1.480Branchenumsatz: 467 Mio. Euro (2014)
  • Buchhandel: Drei große Buchhandelsketten sind Bruna mit 375 Verkaufsstellen, AKO – hauptsächlich vertreten an Flughäfen und Bahnhöfen, sowie Boekenpartners – eine Einkaufszentrale, welche mit 110 unabhängigen Buchhandlungen zusammenarbeiten. Weiterhin agiert Libris am Markt, welches ein Zusammenschluss von etwa 100 eigenständigen Buchhandlungen ist. Darüber hinaus existiert noch eine Vielzahl sehr kleiner, autarker Buchhandlungen. Der Online-Buchhandel wird zunehmend zu einer Konkurrenz. Trotzdem findet der Verkauf zu 88 Prozent über den klassischen Buchhandel statt.

 

Entwicklung/Trends

  • Entwicklungen des Buchmarktes: Die Krise zur Jahrtausendwende, die sich aus der Wirtschaftskrise entwickelte und sich auf die Buchbranche ausweitete, verringert den Umsatz innerhalb von acht Jahren um 30 Prozent. Nun haben sich die Zahlen wieder stabilisiert. Vor der Krise setzten die Buchhandlungen auf große Flächen, die sie nicht mehr bezahlen konnten. Pleiten waren vorprogrammiert. Durch die Unterstützung der niederländischen Bevölkerung, welche ihre Buchläden nicht verlieren wollte, wurden Buchhandlungen auch über Crowdfunding gefördert. So konnten unter anderen von 22 Filialen der pleitegegangenen Polaris-Kette 16 Standorte zu unabhängigen Buchhandlungen umgewandelt und somit gerettet werden. Das E-Book-Geschäft entwickelte sich von 2010 mit einem Prozent auf 5,4 Prozent im Jahr 2014.Trends und Aktuelles:Führende Vertreter der Branche sehen eine Vielzahl zukunftsweisender neuer Konzepte und Neueröffnungen auf dem Buchmarkt, welche diesen wieder dynamisch machen.
  • Umsatz des Buchmarktes: Die Umsätze haben sich seit 2014/2015 auf rund 500 Mio. Euro stabilisiert.Kapazitäten und Potenziale: Als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016 hat sich die lebendige literarische Szene der Niederlande mit einer Menge junger Autoren präsentiert. Auch dadurch zeigte sich ein Aufschwung in der Branche.

 

Produkte

  • Printbücher vs. E-Books: Für gedruckte Bücher gibt es in den Niederlanden eine gesonderte Mehrwertsteuer von 6 Prozent, welche für E-Books nicht gewährt wird. Diese werden mit den gängigen 21 Prozent belegt. An den enormen 15 Prozent Unterschied erkennt man den hohen Stellenwert des haptischen Produktes.
  • Besonderheiten: Dadurch, dass in den Niederlanden der Zusammenhalt innerhalb der Branche groß ist, konnte der ausländische Onlineriese Amazon sich am Buchmarkt nicht etablieren. Unter amazon.nl finden sich hauptsächlich E-Books.
  • Spezielle Vereine/Verlagsbunde/…: Es gibt die Stiftung „Collectieve Propaganda van het Nederlands Boek“ – abgekürzt CPNB – die sich für die Förderung niederländischer Bücher einsetzt. welche durch ihre Aktionen für die Leseförderung einen einschneidenden Anteil an der Präsenz des Buches hat.
  • Buchpreisbindung und Co.: Seit 2005 legen die Verlage und Grossisten die Ladenpreise fest, was sich inzwischen auch in einem Gesetzestext wiederfindet. Bis dato gab es lediglich eine Absprache zwischen Verlag und Buchhändler. In den Niederlanden liegt der Preis für ein Buch im Durchschnitt bei etwa 13,00 Euro.

 

Nutzer/Kunden 

  • Die Buchmesse: Es finden im Jahr zwei große Buchmessen in Amsterdam statt. Die „Manuscripta“, welche im September von Antiquaren und Buchhändlern veranstaltet wird, bietet dem Buch über 20 Tage eine Bühne. Zusätzlich wird die Amsterdam „Antiquarian Book, Map & Print Fair“ im Oktober veranstaltet, die von dem CPNB organisiert wird.Das Kundenverhalten: In den Niederlanden liegt das Sachbuchsegment mit 43 Prozent an der Spitze der verkauften Bücher – knapp gefolgt von Belletristik (38 Prozent) und dem Kinderbuchsegment (16 Prozent), wobei hier die Schulbücher nicht betrachtet wurden. Im Import sind vor allem die englischen Originalversionen führend und machen damit auch niederländischen Übersetzungen Konkurrenz. Für deutsche Bücher gibt es beim kleinen Nachbarn nicht annähernd die Nachfrage, wie es umgekehrt der Fall ist.Spezielle Traditionen: Seit den 1930er Jahren gibt es in den Niederlanden jedes Jahr im März die Buchwoche („Boekweek“), welche eine der effektiven Kampagnen der CPNB zur Steigerung des Ansehens von Büchern und Buchhändlern ist. Jedes Jahr wird dafür ein nationaler Autor ausgewählt, rund 100 Seiten Text zu schreiben, um den entstandenen Titel beim Kauf eines über 12,50 € teuren Buches kostenfrei dazuzugeben. Auch gibt es Kooperationen mit der Bahn, die eine kostenlose Fahrt durch dieses Gratisexemplar ermöglicht. Hieran kann man einmal mehr die Wertschätzung für das gedruckte Buch in den Niederlanden erkennen.