Papier – ein Medium mit Zukunft!

Es heißt, Papier sei geduldig. Doch eigentlich kann es sich das in Zeiten des digitalen Wandels kaum erlauben. Viele Unternehmen der Papierindustrie haben mit schwindenden Erlösen zu kämpfen und versuchen deshalb neue Wege und innovative Ideen zu finden um weiterhin zu überleben. Die Nachhaltigkeit wird dabei zur Pflicht. Es muss umgedacht und das Papier neu erfunden werden!

Besonders Hersteller*innen von grafischen Papieren haben Schwierigkeiten, da sich die Probleme der Verlage auf die Papierhersteller*innen durchschlägt. Aber auch im beruflichen und privaten Alltag wird weniger Papier benötigt. Kaum noch werden Fotos ausgedruckt und in ein Fotoalbum geklebt oder gar ein Fax versendet. Somit ist der Bedarf an Inkjet-Papieren oder Thermo-Faxpapieren rückläufig. Auch wächst zunehmend das Vertrauen in elektronische Speicher, weshalb der Trend zum papierlosen Büro nicht mehr nur ein Märchen ist.  Das Umdenken in der Branche begann zunächst damit, die Produktivität zu steigern, Prozesse zu optimieren und den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Heute wird jedoch verstärkt nach neuen Märkten und Produkten gesucht. Die derzeitige Lage darf nicht als Krise angesehen, sondern sollte als Chance genutzt werden!  

Wie können Unternehmen also neue Anwendungen für einen alten Werkstoff finden?  

Stora Enso beispielsweise, ein skandinavisches Unternehmen und einer der größten Papier- und Verpackungsmittelhersteller, versucht seine Produktpalette stets zu erweitern. So werden z.B. Mulchpapiere zur Unkrautbekämpfung oder Möbel auf Papierbasis hergestellt. In Zukunft sollen sogar ganze Wohncontainer auf Papierbasis erbaut werden, welche dann in Katastrophengebieten oder Flüchtlingslager verwendet werden können. Computergehäuse aus Pappe statt aus Plastik oder Papier, das seine Farbe mit den Temperaturen wechselt, gibt es heute schon. Papier wird heutzutage auch schon im Automobilbau verwendet, beispielsweise für die Konstruktion von Dächern. Die Forschung steht nicht still. Es wird an Verpackungen für Medikamente gedacht, die sich nach Ablauf des Verfallsdatums verfärben, Pflanzenbeete auf Papierbasis mit eingelegten Samen und Nährstoffen oder aber Gewächshäuser, die statt Plastikplanen beschichtetes Papier verwenden. Auch im Bereich der Lebensmittelindustrie soll Papier mehr zum Einsatz kommen. Kunststoff ist derzeit zwar konkurrenzlos billig aber gerade Biolebensmitteln in Plastik verpackt, schädigen oftmals dem Image. Die Papierindustrie sieht ihre Chancen. Daher wird an aromadichten, wasser- und fettabweisenden Papieren als Verpackung gearbeitet.  

Gegenüber Kunststoff weist Papier klare Vorteile auf. Es wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und lässt sich vergleichsweise problemlos wiederverwerten oder entsorgen. Papier ist leicht, erstaunlich stabil und vielseitig einsetzbar. Zudem wurde der hohe Energie- und Wasserverbrauch in seiner Herstellung in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich reduziert. 

Mit Papier machen wir also noch lange nicht Schluss!    

 

Autorin: Hannah Zobel