Vegane Bücher aus Graspapier

Das Medienunternehmen „Matabooks“ stellt erstmalig umweltfreundliche und nachhaltige Bücher aus Graspapier her.

Die Herstellung von veganen Büchern aus Graspapier ist das, im Jahr 2017 ins Leben gerufene, Herzensprojekt vom Matabooks-Gründer Kay Hedrich. Er absolvierte eine Ausbildung zum Mediengestalter, arbeitete in einer Druckerei, studierte an der HTWK Buch- und Medienproduktion im Bachelor und Medienmanagement im Master. Mit der Zeit begann er, alle Prozesse in der Branche zu verstehen und kritisch zu hinterfragen. „Wir Menschen verbrauchen so viele Rohstoffe, dass derzeit anderthalb Erden nötig wären, um unsere Bedarfe zu decken“, betont der Inhaber und Gründer. Matabooks bringt den Menschen ein nachhaltiges Konsumverhalten näher und setzt dafür im Bereich der Buchproduktion an, um etwas zu verändern. Keine tierischen Bestandteile, kein Leder und keine aufwendigen Veredelungen – Matabooks sind nachhaltig, vegan und können zu 100% Mutter Natur zurückgegeben werden.

Wie ist das Innovative an der Idee?

Im Mai 2015 konnte bestätigt werden, dass Gras für die Produktion von Wellpappe, Karton und grafischen Papieren eingesetzt werden kann. Aus diesem Werkstoff wurden jedoch bisher ausschließlich Verpackungen hergestellt. Für die Buchproduktion spielte Gras noch keine Rolle. Daher entstand bei Matabooks die Idee, Bücher zu entwickeln, die nicht nur eine verbesserte Ökobilanz aufweisen, sondern auch frei von tierischen Bestandteilen sind und den technischen Anforderungen einer Buchproduktion gerecht werden. Matabooks stellt als einziges Unternehmen vegane Bücher aus Graspapier her. Diese Weltneuheit wurde auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse vorgestellt. Darüber hinaus gibt es zwar Umweltpapiere, jedoch keine ganzheitliche Betrachtung der Buchproduktion unter Umweltaspekten. Matabooks durchbricht die bisherigen Standards im Bereich der Buch- und Medienproduktion und setzt dadurch komplett neue Maßstäbe.

Wie setzt ihr eure Idee um?

Matabooks ist das erste Unternehmen, das vollkommen vegane Bücher aus Graspapier herstellt. Das Wort „vegan“ mag in diesem Zusammenhang verwirrend erscheinen, da es sonst hauptsächlich für eine auf Pflanzen basierte Ernährungsweise ohne tierische Produkte steht. Doch genauso wie viele Lebensmittel, Bekleidungstextilien und Kosmetikartikel, enthalten auch herkömmliche Bücher oft versteckte tierische Bestandteile. Matabooks betrachtet die gesamten Prozesse der Buchproduktion unter Umweltaspekten. Dies geschieht dadurch, dass sämtliche Produktionsschritte und Veredelungsverfahren hinsichtlich ihrer Ökobilanz ausgewählt werden (Indikatoren sind dabei bspw. Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Immissionen in Luft und Wasser, sowie die Recyclingfähigkeit der Materialien). Des Weiteren verwenden wir Biofarben und Klebstoffe, welche auf Wasser (Dispersion) basieren, sowie das innovative Material Graspapier.

Ist ein Buch nicht immer vegan?

Um zu verstehen, wie Bücher ‚veganisiert‘ werden können, ergibt sich zuerst folgende Frage: „Wie kommen eigentlich tierische Bestandteile in Bücher?“. Die Antwort gliedert sich in drei Teile:

  • Bei dem Binden von Büchern wird u. a. sog. Knochenleim (Glutinleim) verwendet. Dieser Klebstoff besteht aus tierischen Bestandteilen, welche durch Auskochen von Knochen, Häuten und Leder entstehen. Die Ausgangsmaterialien werden getrocknet, zerkleinert, entfettet und mit einer Kalklösung behandelt. Anschließend wird das gewonnene Kollagen in Glutin überführt.
  • Druckfarben im Offsetdruck bestehen aus Pigmenten, Harzen, Mineralölen und Additiven. Zur Herstellung von Pigmenten werden u. a. organische Farbstoffe verwendet. Diese bestehen teilweise aus dem Farbstoff Karmin (E120), welcher aus Läusen (in Europa Cochenilleschildläusen) hergestellt wird. Für die Herstellung des Farbstoffes werden die Läuse auf ausgewählten Pflanzen gezüchtet, „geerntet“, getrocknet und in Wasser (unter Zusatz von Schwefelsäure) ausgekocht.
  • Als Ausgangsmaterial für Bucheinbandmaterialien aus Leder dienen überwiegend Tierhäute. Bei der Lederherstellung durchlaufen sie verschiedene mechanische und chemische Prozesse. Die Ober- und Unterhaut wird von der Lederhaut entfernt, wodurch ‚Blöße‘ entsteht. Diese wird gesäubert, enthaart, mit Schwefelnatrium gebeizt und anschließend maschinell gespalten. Ziegenleder ist das am häufigsten verwendete Bucheinbandmaterial und wird aus Häuten von verschieden afrikanischen, indischen oder europäischen Ziegenrassen gewonnen. Weitere Lederarten bestehen aus Häuten von Rindern, Schafen, Schweinen und Savannenziegen.


Ist ein Buch auch nicht immer umweltfreundlich?

Nicht zwingend. Die Herstellung von Holzzellstoff ist leider nicht sehr nachhaltig und birgt viele ökologische und ökonomische Nachteile, zum Beispiel dadurch, dass:

  • jedes Jahr ca. 15 Millionen Hektar Wald geschlagen werden. Das entspricht der dreifachen Fläche der Schweiz.
  • jeder fünfte Baum, der gefällt wird, in die Papierherstellung gelangt. • Deutschland in einem Jahr so viel Papier verbraucht wie Südamerika und Afrika zusammen.
  • der Pro-Kopf-Verbrauch von Papier in Deutschland bei ca. 250 kg liegt; der weltweite Durchschnitt bei ca. 50 kg.
  • lediglich 17 Prozent der für den deutschen Papierverbrauch eingesetzten Holzmenge aus heimischen Wäldern stammen. Der Großteil wird aus dem Ausland importiert. Die wichtigsten Produktionsländer sind dabei Schweden (20,7 %), Finnland (18,4 %) und Brasilien (7,7 %).
  • durch die Handelsstrukturen nicht immer gewährleistet werden kann, dass das Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammt.
  • Holz aus Aufforstungsprojekten nur bedingt als umweltfreundlich zu betrachten ist. Denn der praktizierte Anbau als Monokulturen bietet keinen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und zerschneidet/zerstört häufig deren natürliche Habitate.
  • das Holz im Schnitt 4.000 km unterwegs ist, bis es in der Papierfabrik ankommt. Dies verursacht einen hohen CO2-Ausstoß.
  • zur Herstellung einer Tonne Holzzellstoff mehr Energie verbraucht wird als zur Herstellung von einer Tonne Stahl.
  • bei der Holzzellstoffherstellung Chemie benötigt wird, um das Lignin aus dem Holz zu entfernen.
  • für die Herstellung von einer Tonne Holzzellstoff über 5.000 Liter Wasser verbraucht werden.

Warum verwendet Matabooks Graspapier?

Im Gegensatz zu Holzzellstoffpapier besitzt Graspapier aufgrund folgender Faktoren eine gute Ökobilanz:

  • Der Rohstoff Gras ist, im Gegensatz zum Zellstoff, ein reines Naturprodukt und in Deutschland in ausreichend großer Menge vorhanden.
  • Selbst bei intensiver Nutzung dieser Flächen kann die Artenvielfalt gewährleistet werden.
  • Gras wird bei der Ernte nicht zerstört und wächst immer wieder nach.
  • Gras besitzt von Natur aus wenig Lignin. Daher wird keine Chemie bei der Herstellung eingesetzt.
  • Die Einsparung an CO2 beträgt 75%.
  • Die Herstellung von Graszellstoff erfordert gegenüber Zellstoff einen geringeren Energieeinsatz, wodurch bei der Produktion 80% der Energie eingespart werden können.
  • Das Gras für die Produkte von Matabooks wird in der näheren Umgebung der Papierfabrik geerntet – der Transportweg liegt im Schnitt nur bei 100 km.

Welche Projekte sind außer Graspapierbüchern noch geplant?

Derzeit arbeiten wir an der Entwicklung von Lesezeichen und Büchern aus Samenpapier. Diese Publikationen aus Naturmaterialien können nach dem Lesen kompostiert und die Materialien so der Natur wiedergegeben werden. Da das Papier mit Samen von bunten Wildblumen oder Baumpflanzen bestückt ist, wachsen später neue Pflanzen, wo das Buch kompostiert wurde. Diese Teilnahme am Lebenskreislauf der Natur ist für Matabooks eine Priorität und ein Herzensprojekt.

Was steckt hinter dem Namen „Matabooks“?

Der Name Matabooks leitet sich von dem Wort „Mutter“ in der indischen Ursprache Sanskrit ab. Für den Gründer für Matabooks ist er der Ausdruck von Respekt gegenüber „Mutter Natur“.

Wie trägt Matabooks zur sozialen Nachhaltigkeit bei?

Es ist uns wichtig, auch soziale Komponenten mit in das Konzept von Matabooks einfließen zu lassen und gerade jungen Menschen Möglichkeiten zu geben, ihre Ideen mit unserer Hilfe in die Tat umzusetzen. So stammt die Geschichte für unseren ersten Roman von der Jungautorin Sophie Frohnauer und trägt den Titel „Das Flüstern der Rebellion“. Auch alle gestalterischen Aspekte werden ausschließlich von kreativen, jungen Menschen umgesetzt. So geben wir jungen Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke auf unseren Buchcovern zu präsentieren und junge Autoren können ihre Texte bei uns verlegen lassen. Möchtest ein Teil vom Matabooks werden und deine Geschichte oder Illustration veröffentlichen, dann schreib uns einfach! Zudem spenden wir einen Teil des Erlöses jedes verkauften Buches an gemeinnützige Organisationen wie dem Verein „Anderes Sehen e.V.“, welcher Bücher für blinde Kinder herstellt.

Gibt es Forschungsarbeiten bei Matabooks?

Derzeit laufen einige Forschungsarbeiten rund um das Thema nachhaltiges Publizieren. Im Bereich der Werksstofftechnik arbeitet Matabooks an Verfahren, die die Buchproduktion künftig in eine umweltfreundliche Richtung führen sollen. So werden Klebstoffe und Druckfarben entwickelt, die perspektivisch aus rein pflanzlichen, nachwachsenden Rohstoffen bestehen.

Fazit

Das Medienunternehmen Matabooks läutet mit seinem veganen Buch eine kleine Rebellion gegenüber der bestehenden Buchherstellung ein. Bücher aus Graspapier zeigen eine neue Einstellung und innovative Lebensweise in unserer heutigen Konsumgesellschaft. Sie geben jedem die Möglichkeit, einen kleinen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Tierschutz zu leisten.

 

Mehr Infos unter www.matabooks.de