Paywall - Wie versuchen Zeitungsverlage im digitalen Wandel wirtschaftlich zu überleben?

„Im Internet findet man bestimmt was für umsonst“

In Zeiten der frühen Internet-Euphorie wurden journalistische Leistungen kostenfrei online gestellt. Es wurde eher als Zugabeangebot für die große Print-Leserschaft gesehen. Lange hielt sich die Meinung in den Verlagen, dass sich eine gestandene Tageszeitung niemals durch Onlinemedien gefährdet, oder sogar verdrängt werden könne. Das es nicht so sein wird mussten viele Tageszeitungsverlage leidvoll erfahren. Nun versucht man die gemachten Fehler hinterher zu korrigieren und mit Paid-Content-Modellen einen „Komplementärgut“ zum Print-Angebot zu schaffen. Man spricht von der sogenannten „Paywall“. Dabei werden digitale Inhalte gegen Gebühren angeboten. Die Bereitschaft für Inhalte im Internet Geld zu zahlen wächst - und zwar nicht nur für Games oder Musik: Laut einer Bitkom-Umfrage zahlen etwa 25 Prozent der befragten Internetnutzer für journalistische Inhalte im Internet eine monatliche Pauschale. 20 Prozent der Befragten gaben an, für einzelne Artikel oder Ausgaben im Internet Geld gezahlt zu haben.

Die Verlage haben reagiert und 205 Zeitungen haben laut Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger mittlerweile eine Bezahlschranke im Netz eingeführt.

Dabei haben sich inzwischen einige Bezahlmodelle etabliert:

  • Harte Bezahlschranke (9%): Hier können zahlende Abonnenten das Online-Angebot der Zeitung nutzen, für alle anderen ist es nicht zugänglich. (Beispiel: Harzer Kurier - https://www.harzkurier.de)
  • Freemium (66%): Bei diesem Modell sind nur die Inhalte bezahlpflichtig, die aus Sicht des Publishers exklusiv sind. (Beispiele: Bild - www.bild.de ; Die Zeit - https://www.zeit.de)
  • Metered Model (23%): Hier hat der Nutzer kostenlosen Zugriff auf eine bestimmte Anzahl eigentlich kostenpflichtiger Inhalte. Ist dieses Kontingent erschöpft, wird er meistens zur kostenfreien Registrierung aufgerufen, die wieder ein zusätzliches Freikontingent beinhaltet. Erst wenn der Nutzer auch die Anzahl dieser erlaubten Abrufe überschreitet, wird er aufgefordert für ein Abonnement zu zahlen. (Beispiel: Allgemeine Zeitung - www.allgemeine-zeitung.de/index.htm) 
  • Spenden-Modell (2%): Hier kann der Nutzer selbst entscheiden, ob und in welcher Höhe er für die Inhalte bezahlen möchte. (Beispiel: Taz - https://www.taz.de)

Auf der Seite des Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger gibt es eine Übersicht, welche Zeitung welches Bezahlmodell anbietet. (http://www.bdzv.de/maerkte-und-daten/digitales/paidcontent/)

Ist die Paywall nun eine Chance für den modernen Zeitungsverlag? Den Zahlen nach durchaus. So wollen über 65 Prozent der Befragten des DCI Institutes auch in Zukunft Bezahl-Angebote nutzen. Und: Es werden nicht mehr nur kleine Cent-Beträge investiert. Rund 27,1 Prozent geben monatlich mehr als zehn Euro aus. 11,1 Prozent lassen sich Paid-Content-Angebote sogar mehr als 15 Euro kosten. Die Zahlen machen Hoffnung, dass zukünftig für qualitativ hochwertigen Journalismus auch entsprechend gezahlt wird.

 

 

 

Autor: Tobias Risse