Der Druckweiterverarbeitungssaal

Im zweiten Semester des Studienganges Buch- und Medienproduktion finden Praktika zu den essenziellen Druckweiterverarbeitungsprozessen wie Schneiden, Falzen, Heften und Klebebinden im Druckweiterverarbeitungssaal statt. Dort wird den Studierenden, deren späteres Einsatzgebiet zur Medienvorstufe zählt, ein Überblick über das spezielle Fachgebiet der industrielen Weiterverarbeitung gewährt. Doch während der Praktika wird allen klar, dass der Zusammenhang der Prozesse auch für diejenigen von Bedeutung ist, die „doch gar keine Drucker sind.“ Bereits die Vorstufe hat unmittelbare Auswirkungen auf die Qualität des Endproduktes und somit ist das Wissen über einzelne Prozessschritte unabdinglich.

Der Saal für die Druckweiterverarbeitung befindet sich im Erdgeschoss des Medienzentrums. Den technologischen Prozess Trennen repräsentiert der Planschneider Polar 92XT der Firma Polar Mohr. Dieser ist Bestandteil des ersten Praktikums im Modul Druckweiterverarbeitung. Der Planschneider ist zusätzlich mit einem Rütteltisch und zwei Stapelliften ausgestattet. Beide sorgen dafür, dass die zu beschneidenden Bogen einfach transportiert werden können und dabei möglichst exakt ausgerichtet bleiben. Bedient wird der Planschneider über ein Programm, das per Touchscreen am Gerät erstellt wird. Per Fußpedal wird der Pressbalken ausgelöst und der Schneidvorgang mittels Tastern gestartet. Aus Sicherheitsgründen ist für die Schneidemaschine eine Zweihand-Bedienung vorgesehen, sodass keine Möglichkeit besteht, sich beim Schneidvorgang die Hände zu verletzen. Der Pressbalken sorgt dafür, dass sich die Stapel nicht unter dem Druck des Messers verformen und gewährleistet so einen sauberen Schnitt. Ein Sensor vor dem Pressbalken dient zusätzlich zur Sicherheit. Registriert er etwas, stoppt der Schneidevorgang augenblicklich.

Ist der Bogen beschnitten, kann der nächste Prozessschritt vonstatten gehen – das Falzen. Verwendet wird u. a. die Kombifalzmaschine FE 56 der Firma Stahl – wie die meisten Geräte ist sie eine Dauerleihgabe des Herstellers. Die Maschine besteht aus einem Flachstapelanleger, einem Taschenfalzwerk mit 4 Taschen sowie zwei im rechten Winkel angeordneten Messerfalzwerken und einer Schuppenauslage. Ohne die Messerfalzwerke kann man nur parallele Falzbrüche erstellen. Die Messerfalzwerke ermöglichen Kreuzfalze. Eine große Arbeitsfläche aus mehreren Tischen dient dem manuellen Zusammentragen einzelner Bogen sowie der Qualitätskontrolle der produzierten Teil- oder Endprodukte. Außerdem ist dies der Entstehungsort des Veredelungslexikons, welches dort produziert wird. Weiterhin lassen sich an einer Tafel, Bänken und Stühlen die theoretischen Teile der Praktika in kleinen Gruppen absolvieren.

Die Hochschule verfügt außerdem über einen Klebebinder, einen Sammelhefter und eine Fadenheftmaschine. Diese ermöglicht eine Buchfadenheftung, wie sie bei Hardcovern, zunehmend auch für Mehrlagenbroschuren, zu finden ist. Der Klebebinder bildet mit der Zusammentragmaschine die längste Maschine im Druckweiterverarbeitungssaal. Aufgrund seiner Ausstattung mit einem Umschlaganleger erlaubt er die Herstellung von Broschuren. Optional lassen sich die Bogen aber auch mittels Drahtrückstichheftung am Sammelhefter fügen. Nach der Drahtrückstichheftung lassen sich die gesammelten Bogen inline an einer Dreimesserschneidemaschine am Kopf-, Fuß- und Außensteg beschneiden. Nach einem praktischen Durchlauf durch den Druckweiterverarbeitungssaal wird klar, dass die Hochschule mit ihrer vorhandenen Technik den Bereich der Druckweiterverarbeitung sehr gut abdeckt und den Studierenden einen optimalen Einblick in dieses Gebiet gewährleisten kann. Als angehender Verlagshersteller lernt man hier, welche Produktionsschritte möglich sind, aber auch welche Schwierigkeiten es zu meistern gilt und welche Fehler auftreten können.