Die Sortimentsbuchbinderei

Bücher begreifen, heißt es hier. In diesem Fall kann man das tatsächlich wörtlich nehmen. Begleiten Sie uns in der Form eines Interviews mit der zuständigen Laboringenieurin in die Sortimentsbuchbinderei. Erhalten Sie Einblicke und Eindrücke von der Ausstattung und dem Herzen der Werkstatt.

 

Liebe Frau Schlegel, Sie sind hier in der Fakultät Medien als Lehrkraft für die praktischen Erfahrungen in der Buchherstellung zuständig. Möchten Sie zum Einstieg erzählen, wie lange sie bereits an der Hochschule lehren?

Oh, (lacht) ich bin schon über 25 Jahre hier, war also schon vor der Wende hier tätig. Vorher habe ich eine Ausbildung als handwerkliche Buchbinderin gemacht und eine Meisterschule besucht. Nachdem ich dann in verschiedenen Werkstätten gearbeitet habe, habe ich mich entschieden, in die Lehre zu gehen. Das war für mich damals eine schöne Möglichkeit im Beruf ein Stück weiter zu kommen und gleichzeitig meinen gelernten Beruf weiterzuführen. Das ist auch nach wie vor meine Motivation.

Wir haben hier im Labor jede Menge Werkzeuge und Maschinen stehen, können Sie kurz erläutern was man hier alles machen kann?

Also erst einmal ist das hier eigentlich kein richtiges Labor, ich würde es eher als Werkstatt bezeichnen, so wollen wir es auch gerne sehen. Es soll eine offene Werkstatt sein, mit einem kleinen Maschinepark. (lächelt) Mit diesen Geräten und den handwerklichen Tätigkeiten können wir Muster fertigen. In großen Buchbindereien ist es immer noch so, dass es eine handwerkliche Abteilung gibt, in der die Bücher einmal manuell vorproduziert werden können. An Geräten haben wir hier zum Beispiel eine kleine Schneidemaschine, eine Drahtheftmaschine, ein Rill- und Perforiergerät, eine Bohrmaschine — also alles Geräte, mit denen man kleine Serien produzieren kann. Wir können viele Projekte realisieren, die in den Studiengängen Buch- und Medienproduktion, Drucktechnik und Verpackungstechnik anfallen. Darüber hinaus haben wir einige schöne Veredelungsmöglichkeiten.

Nun ist es ja so, dass alle Erstsemester des Studienganges Buch- und Medienproduktion bei Ihnen ein Praktikum in der manuellen Buchherstellung absolvieren. Können Sie uns kurz erklären was in diesem Praktikum genau gemacht wird?

Einfach gesagt, stellen die Studenten hier ein eigenes Buch her. Sie wählen die Materialien selbst aus, fügen diese zu einer Buchdecke und komplettieren diese zum Schluss zu einem Buch mit Maximalausstattung! Das heißt: Kapitalband, Leseband und Farbschnitt. Aber grundlegend kann man sagen, dass das Praktikum als Einstieg dient. Die Studierenden können sich mit den Materialien, mit denen sie zukünftig zu tun haben, vertraut machen. Sie sollen ein Gespür für Haptik, Effekte und die Wechselwirkungen zwischen den Materialien bekommen. Natürlich auch die Freude daran, etwas selbst zu erschaffen und diese Erfahrung mit nach Hause zu nehmen. Wichtig ist auch, dass die Studierenden einen Bezug zu den Schritten der handwerklichen Herstellung haben, die Ihnen im Studium und später auch in der industriellen Produktion immer wieder begegnen.

Also sind Sie der Meinung, dass dieses Praktikum wichtig für die weitere Ausbildung ist?

Ja! Im Grunde handelt es sich bei diesem Praktikum um das Erlebnis „Buch“. Weitere Aspekte der Ausbildung können auf diesem Praktikum aufbauen. Das erlebte Wissen aus dem Praktikum erleichtert das Verständnis der Arbeitsprozesse in der maschinellen Produktion. Außerdem sollen die Studenten hier Respekt entwickeln, vor dem was man tut und was andere tun. Abgesehen davon wird ja die handwerkliche Produktion nicht aussterben, es wird auch in Zukunft Broschuren, Bücher und Sonderanfertigungen geben.

Dürfen die Studenten das selbst gefertigte Buch nach dem Praktikum behalten? Und können Sie darüber hinaus weitere erstellen?

Ja. Die Studierenden fertigen über ihr Buch ein Protokoll an und können nach der Kontrolle des Protokolls die Bücher mit nach Hause nehmen. Es hier ist eine offene Werkstatt, das heißt, wenn alles gut funktioniert — also gute Terminabsprachen möglich sind, dann haben die Studenten natürlich darüber hinaus die Möglichkeit, weitere Bücher anzufertigen.

Zum Abschluss möchten wir Sie gerne fragen, was sie sich von Ihrer Tätigkeit zukünftigen wünschen.

Oh was wünsche ich mir? (lacht) Ich glaube von der Ausstattung her ist diese Werkstatt so gut, dass man damit gute, wichtige und schöne Dinge tun kann. Wünsche bleiben natürlich immer offen. Ich würde es gar nicht an meinen Wünschen festmachen, sondern an der Entwicklung der Branche. Ich wünsche mir also, dass die Werkstatt auch in Zukunft mit der Zeit geht und die Anwendung neuer Veredelungsformen ermöglicht.

Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unseren Lesern einen Einblick in Ihre Werkstatt und Ihre Arbeit zu geben.

Ach ich freue mich doch immer über Besuch. (lacht)