"E-book und P-book" - eine Symbiose?

Um Fragen wie diese sowie die aktuellen Marktentwicklungen und Perspektiven der Verlagsherstellung zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen trafen sich vom 26. bis 27. April 2010 über 250 Konferenzteilnehmer in der Hauptstadt zum »Publishers Forum 2010«. 

Das Forum 

Mit der 2004 als »Forum Herstellung« ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe möchte Gastgeber Klopotek&Partner Verlage und Dienstleister zusammenbringen, um – unter Berücksichtigung nationaler und internationaler Entwicklungen in der Verlagsbranche – gemeinsam aktuellen Problemstellungen zu begegnen und neue Ideen hervorzubringen. Kulisse für die mehr als 25 Vorträge und Workshops war in diesem Jahr das architektonisch eindrucksvolle Tagungszentrum »axica« am Pariser Platz – Klopotek hatte sich entschieden, aufgrund des international wachsenden Interesses an der Konferenz auf größere Räumlichkeiten auszuweichen. 

Viel Holz und Glas – Halt und Weitblick 

Halt und Weitblick hat sicherlich auch mancher Verlagsmitarbeiter gesucht, von denen sich die meisten derzeit, wie Marie Bilde Rasmussen von Gyldendal Digital (DK) feststellte, vor die Herausforderung gestellt sehen, die neuen Technologien bei laufendem Geschäft anzugehen. Es gehe um Technologien wie das iPad, so ein Sprecher, die Bedürfnisse schafften, von denen wir vorher gar nicht gewusst haben. Hersteller müssten sich dabei den neuen Entwicklungen stellen und versuchen, neue Lösungen, neue Produkte und eine neue Denkweise zu schaffen. 

Ein großer Themenbereich unter vielen: Content Management Systeme (CMS), Metadaten und Semantic Web. Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, sind oft urheberrechtlicher oder organisatorischer Art: Wie erreiche ich, dass online einzeln verkaufte Elemente (z.B. einzelne Kapitel eines Buches) sämtliche relevanten Metadaten enthalten? Ist es sinnvoll, eine separate ISBN zu vergeben? Wie kann die Preisgebung aussehen? 

Zum Thema Urheberrecht sprach auch Madi W. Solomon, Director of Content Standards bei Pearson PLC, in ihrem sehr lebendigen und spannenden Vortrag »Rights Standards – the actual status of the international discussion«. Pearson betreibt »OpenSesame«, eine Open Source-Plattform, auf der Dokumente für alle Ausgabekanäle verfügbar sind und auf Wunsch individuell editiert werden können. 

Dr. Sebastian Rudolph vom Karlsruher Insitut für Technologie vermittelte hochinformativ die Möglichkeiten und Vorteile von RDF (Resource Description Framework) für das Semantic Web, also der Erweiterung von Webinhalten um maschineninterpretierbare Metadaten. 

Mobilität! Funktionalität! Farbe! 

Es folgten weiter Vorträge und Workshops zu hochaktuellen Themen; so gab beispielsweise Dr. Johann Kempe, Geschäftsführer der Hanseatischen Gesellschaft für Verlagsservice HGV, einen umfassenden Einblick in die aktuelle eBook-Welt – von Formaten über Endgeräten bis hin zu den Herauforderungen, denen sich Verlage in diesem Zusammenhang stellen. Sein Fazit: ›Mobilität! Funktionalität! Farbe!‹ sind die wichtigsten Komponenten für alle Endgeräte. 

Robert Höllein (buch bücher.de GmbH) hatte kurz zuvor bewiesen, dass im Digitaldruck bei der Verwendung einer einzigen Software-Lösung eine Zeitspanne von 20 Minuten von Auftragserteilung bis Druck durchaus möglich ist: Live wurde alles demonstriert, von der Platzierung online beim Druckdienstleister über das digitale Blättern im Softproof bis hin zum eigentlichen Druck, den Herr Höllein via Live-Schaltung zum Drucksaal des Sponsors Océ veranschaulichte. 

Die neue digitale Realität 

Die zwei Tage begleitend stellten sich immer wieder grundlegende Fragen zu dem heutigen Nutzer und seinen Erwartungen an ein Produkt. Ein Statement der Digital Natives Max Stralka und Gunnar Siewert verdeutlichte, wie sehr die Kommunikationsgewohnheiten inzwischen von digitalen Prozessen im Netz und auf dem Smartphone geprägt sind: die klare Ansprache an die Verleger setzte einen Höchstpreis von 9,90 € für eine eBook fest, mehr sei die junge Generation, der sie selbst angehören, nicht bereit, zu zahlen. 

Als große Gewinner können Software-Anbieter mit guten Lösungen zur Content-Verwaltung aus diesem Wandel der Branche hervorgehen. Die Aufbereitung des Inhaltes ist grundlegend wichtig für die Arbeit im ePublishing-Bereich. Spätestens nach dem Besuch des Publisher Forums 2010 weiß jeder Hersteller, wie wichtig eine Präsenz auf dem neuen Markt ist. Ob Twitter oder Facebook – sicherlich werden nach diesen Tagen neue Nutzer hinzugekommen sein, die sich der neuen digitalen Realität nicht versperren können. 

Und dann bleibt doch stets eine Frage zwischen aller Begeisterung und Zukunftsvision – was passiert mit dem gedruckten Buch? 

www.publishersforum.de