Typotage 2010 - Druckkunst 2.0

Zum 16. Mal fanden am Wochenende vom 7. bis 9. Mai die Leipziger Typotage im Druckkunstmuseum zu Leipzig statt. Die Gesellschaft zur Förderung der Druckkunst Leipzig e.V. lud diesmal unter dem Motto »Druckkunst 2.0« zu spannenden Vorträgen und Diskussionen ein. 

Druckkunst 2.0 

Welchen Platz nehmen die klassischen Printerzeugnisse im Zeitalter der Digitalisierung zwischen der steigenden Vielzahl an digital nutzbaren Medien ein? Dieser Fragestellten sich die Referenten, sowie Zuhörer im Druckkunstmuseum Leipzig. Dabei diskutierte man über die neuen Anforderungen als auch die bahn- brechenden Möglichkeiten bezüglich Kunst, Design und Produktion, die mit der Digitalisierung Hand in Hand einhergehen. 

»Vom Blei zum Bit – Bedeutet digitalisieren manipulieren?« 

In ihrem Vortrag widmeten sich Veronika Elsner und Günther Flake, Gründer der Hamburger Firma ›Elsner+Flake Type Consulting‹, dem Thema der Nutzung digitaler Schriften und inwieweit Manipulationen an digitalisierten Schriftbildern durch geänderte Nutzungsbedingungen erforderlich sind. Heutzutage muss bei jeder Schrift, die neu entwickelt wird, auch die Webdarstellung beachtet werden. Frau Elsners Prognose für die Zukunft ist, dass das ePaper das herkömmliche Papier teilweise ersetzen wird. Besonders im Bereich der technischen Informationen wird man sich zukünftig immer häufiger auf den elektronischen Bruder verlassen. Hinsichtlich der Schriften bedeutet digitalisieren dann auch nicht manipulieren, sondern manipulierbar machen, um in Zukunft sowohl für die digitalen als auch für die analogen Medien bestmögliche Ergebnisse bezüglich Typographie und Gestaltung zu gewährleisten. 

»Schrift: nach wie vor anders oder nicht?« 

Der freischaffende Schriftdesigner Erhard Kaiser widmete sich in seinem Vortrag ganz der Schrift. Herr Kaiser stellte sich der Frage, welche Ansprüche an Schriften, besonders an Werkschriften, heutzutage gestellt werden. Welche Eigenschaften muss eine Schrift haben, um beim Leser gut anzukommen? Die Lesegewohnheiten der Menschen ändern sich, wenn überhaupt, nur sehr langsam und über einen langen Zeitraum hinweg. Demzufolge ändern sich die Werkschriften und auch die Anforderungen an selbige kaum. Deshalb liegt bei diesen Schriftarten auch nur ein kleiner Gestaltungsspielraum vor, da bei einer zu stark geänderten Werkschrift ein störungsfreies Lesen nicht mehr möglich ist. Herr Kaiser vergleicht die Werksschriften mit einem Transportmittel: »Es muss bequem sein und darf nicht ruckeln« - sie müssen immer rund sein und auch rund laufen. Lesefreundlicher Schriftsatz wird laut Kaiser durch die digitalen Lesegeräte erschwert. Schuld daran ist die geringe Auflösung von Handy und Co., ebenso wird auch das Hintergrundleuchten eines Bildschirmes in seinen Auswirkungen auf die Schrift unterschätzt. 

»Schrift vs. Bild« 

Im Streitgespräch der beiden Bauhaus-Professoren Frank Hartmann und Jay Rutherford ging es um den Zwiespalt von Schrift und Bild, das sich Bild und Schrift gegenseitig ausschließen. Wenn man die Schrift, wie Prof. Hartmann, philosophisch betrachtet, ist sie an sich ein Mittel, um die Menschen in zwei Klassen zu teilen – die Menschen, die Lesen können und die, die es nicht können. Demzufolge ist Schrift ein soziales Disziplinierungsverfahren, Schrift hat einen ausgrenzenden Charakter. Doch wo kommt die Schrift her? Die Kommunikation von Mensch zu Mensch entwickelte sich vom Bild zur Schrift. Demzufolge ist die Schrift die Weiterentwicklung des Bildes. Was kann die Schrift gegenüber dem Bild? Worte sind präziser, genauer. Bilder sind nicht eindeutig und unterschiedlich auslegbar. Glaubt man aber dem Zitat von Otto Neurath: »Worte trennen, Bilder verbinden« (1936), sind Bilder im Gegensatz zu Schrift international verständlich. Wenn man als Tourist in einem Land ist, dessen Sprache man nicht beherrscht, ist es wichtig, sich anhand der vorhandenen Piktogramme und Verkehrszeichen, die in jedem Land doch ungefähr das gleiche aussagen, zu orientieren. Hier fungieren die Bilder als Leitsystem. Vermutlich kann man Schrift und Bild nicht einfach in zwei verschiedene Schubladen stecken. Manchmal funktionieren beide besser ohne einander, aber manchmal sollte man sie doch miteinander spielen lassen. 

»Digilog – ein Dialog von Tinte und Toner, Korrex und Kopierer« 

Nina Schütte und Jörg Petri präsentierten in ihrem Vortrag ein Buchprojekt namens »Digilog«. Die Referenten der ›Edition Kopfnote‹ nutzten ihre Präsentation und die Vorstellung ihres Buchkonzeptes, um ihren Standpunkt bezüglich digital und analog im Bereich Druck deutlich zu machen. »Digilog« ist eine Komposition aus Digital- und Analogdruck und im Schmetterlingsfalz gebunden. Es umfasst 28 Seiten, wobei auf einer Doppelseite immer ein Dialog aus einem bekannten Film zu finden ist. Diese Dialoge sind dann auf ganz unterschiedliche Weise im Analog- und Digitaldruck gestaltet worden. Nach dem Verständnis von Frau Schütte und Herrn Petri sind die Begriffe »analog« und »digital« bezüglich der medialen Repräsentation keine sich gegenseitigen ausschließenden Seiten, sondern sie ergänzen sich gegenseitig und ohne einander könnten sie nicht existieren. Analog und digital können als »Aggregatzustände medialer Repräsentation, als Seins-Zustände von Bild oder Text [verstanden werden].«