E-Book ohne sieben Spiegel

Ein kleiner Blick in die aktuelle Entwicklung des eBooks mit Zukunftsprognose. Was sagen Nutzer und Entwickler? Was dürfen wir erwarten, was bietet es uns? 

Ja wo lesen sie denn?

Schon seit einiger Zeit ist das eBook für den Hersteller kein neues Thema mehr. Die Technologie ist vorhanden und wird weiter entwickelt; seit Jahren tobt die Diskussion über Umsetzungen, Möglichkeiten und Probleme. 

In Großbritannien ist die Wirkungsweise des ePapers bereits erprobt, wenn auch in einem etwas größeren Format: Werbeträger sind es hier, die den Vorteil des stromsparenden Verfahrens nutzen. Pigmentierte Kügelchen, mit einer zähflüssigen Masse gefüllt, werden durch elektrische Reize ausgerichtet, wodurch entweder die schwarzen Pigmente zur Bildoberfläche bewegt oder zum Hintergrund zurück gezogen werden. Auch ähnliche Technologien werden bereits genutzt. Warum also hat sich das eBook bisher nicht durchgesetzt?

Experten antworten 

Eine Theorie dazu hat Miriam Hofheinz. Die Produktmanagerin für Downloads bei Libri sieht nicht nur die Vorteile des neuen eReaders, sondern weiß auch, warum vielleicht jetzt endlich der Durchbruch gelingen könnte. Denn so technikvernarrt unsere Gesellschaft seit einiger Zeit auch erscheint, es bedurfte der letzten zehn Jahre, damit der Mensch sich mit dem Gedanken des eBooks anfreunden konnte. Jetzt sei er bereit, das traditionelle Buch Stück für Stück durch das elektronische zu ersetzen. 

Auch Design, Preis und Handhabbarkeit haben sich weiterentwickelt. So kommt der Sony-Reader beispielsweise leichter und eleganter daher als frühere Modelle. 

Um das bereits vorhandene Potenzial an Büchern überhaupt nutzen zu können, sind medienneutrale Datenhaltung und XML von großer Bedeutung. Gerade in wissenschaftlichen Verlagen oder im Fachbuchbereich wird diese Methode bereits seit einiger Zeit angewandt. Viele andere Verlage müssen sich jedoch erst darauf einstellen.

Glaubt man Andreas-Martin Selignow von der HTWK Leipzig, so werden kommende Studenten der Verlagsherstellung auf dieses Thema bestens vorbereitet. Er selbst nutzt das eBook intensiv, sowohl privat als auch beruflich. Gerade in diesem Bereich aber sei es wichtig, dass der Reader auch komplizierter strukturierte Texte erfassen und wiedergeben kann, beispielsweise Fußnoten. Vergleicht man hierzu den Sony-Reader mit dem Amazon Kindle schneidet Sony deutlich besser ab. Viele Formate werden hier sofort angenommen, der Kindle jedoch wartet mit einer proprietären Dateihaltung auf. 

Letztendlich scheint das eBook jetzt eine Entwicklungsstufe erreicht zu haben, die es marktfähig macht. Günstiger, leichter, schöner, unkomplizierter. Um es weiterhin vom tatsächlichen Buch bzw. Bücherregal abzuheben braucht es ein Inhaltsverzeichnis, muss es durchsuchbar sein und die Textstruktur intelligent anpassen, so Miriam Hofheinz. 

Die Ideen zur Umsetzung von Inhalten in eBooks gehen noch viel weiter; »Sounds entsprechend der Story« ist nur eine von vielen. Was der Leser letztendlich annimmt, liegt jedoch bei ihm. Wir dürfen gespannt bleiben.