Interview mit der Projektleitung des 1. Teams

Welches Feedback gab es auf die Musterbox und die Webseite bisher aus der Branche?

Viele Hersteller, Agenturen und Druckereien haben verstanden, dass es inzwischen nicht mehr ausreicht, dem Endkunden als haptische und optische Aufwertung seines Printproduktes eine Spotlackierung anzubieten. Vielmehr ist aus den vielen Gesprächen und den Feedback-Mails zu entnehmen, dass mit vielen Veredelungstechniken noch weitgehend die Erfahrung für die Einsatzmöglichkeiten fehlt. Auf Vorträgen im Herstellerkreis, auf Messen oder in Druckereien stieß unser Projekt damit in eine »offene Wunde« und somit auf großes Interesse. So wurde häufig betont, wie wichtig es sei, dass ein solches Projekt unabhängig und fachkundig von einer Hochschule betreut wird. Auch Anfragen nach Erfahrungsberichten zur Projektorganisation und -ablauf von anderen Hochschulen an uns belegen dies.

Wo steht das Projekt »Veredelungslexikon« jetzt?

Wir sind mit der durchweg positiven Resonanz auf das Projekt selbst etwas  überrascht worden. Nie hätten wir und einen solchen Erfolg ausmalen können. Seit September 2011 gehen unsere Musterboxen weg wie »warme Semmeln«. Auch inzwischen ins europäische Ausland. Rund 350 Exemplare, also mehr als 24% der Auflage, sind bei unserer Zielgruppe bereits angekommen. Unsere Kunden sind Hersteller, Grafiker, Druckereien, Buchbindereien, Veredelungs-dienstleister, Studenten und Azubis. Ebenso wird die Website immer besser besucht. Mit mehreren Veröffentlichungen und Rezensionen in Fachzeitschriften und Blogs steigt der Bekanntheitsgrad des Projektes weiter.

Wo traten die größten Herausforderungen im Projekt selbst auf?

Wenn man ein ganz neues Projekt starten will, muss man zunächst viele »Stakeholder« überzeugen. Das fängt mit den Professoren an, geht über Projektpartner und Sponsoren bis hin zum Endkunden. Manche unserer Partner in der Wirtschaft stiegen mit der Idee sehr schnell ins Projekt mit ein, andere mussten lange von dem Nutzen für Ihr Unternehmen überzeugt werden. Die Kommunikation mit rund 60 direkt am Projekt beteiligten Personen war nicht immer einfach. Ideen zur Umsetzung der Musterbox wurden immer wieder entwickelt und wieder verworfen, bis kurz vor Produktionsbeginn! Viele Verfahren waren auch an der Hochschule neu. So musstenz. B. erst Erfahrungen in der Weiterverarbeitung von beflocktem Material gesammelt werden. Ein Bohren oder Beschneiden im Stapel war nicht so einfach oder gar nicht möglich. Diese technologischen Probleme brachten uns zeitweise natürlich unter großen Termindruck. Hier war es aber dank eines ausgefeilten Produktionsplanes möglich, erste herstellerische Erfahrungen zu sammeln.

Wie wird das Projekt weiter geführt und was erwarten wir als nächstes vom Projektteam?

Das alte Team hat sich teilweise studienablaufsbedingt schon seit Oktober aus dem Projekt zurückgezogen. Zwei Kommilitonen und ich werden uns nun auch im Februar zurückziehen. Seit Juli sind zwar schon vier neue motivierte Studenten aus dem Folgematrikel dabei, jedoch fällt es uns denkbar schwer unser »Baby« los zu lassen. »Unser Projekt«, dass uns so viel Engagement abverlangt, aber genau so viel Spaß gemacht hat und bei dem wir viel für unsere berufliche und persönliche Laufbahn mitnehmen konnten. Inzwischen bereiten wir die Ergänzungslieferung der nächsten acht Veredelungstechniken vor, die zur Leipziger Buchmesse erscheinen sollen. Parallel arbeiten wir mit einem weiteren Projektteam daran, die Website auf Englisch einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

Was ist dein persönliches Fazit nach über 16 Monaten in der Projektleitung?

Die Eigeninitiative des Projektes hat ein enormes Engagement und Kreativität beim gesamten Team und auch bei vielen Professoren und Mitarbeitern der HTWK freigesetzt. Mit einer vorgegebenen Projektaufgabe wäre das so sicherlich nicht abgelaufen. Über alle Schwierigkeiten der täglichen Projektarbeit hinweg, war ich immer darauf aus, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Viele Probleme ließen sich mit einem guten Kompromiss in der Diskussion lösen.Einige Fragen konnte ich jedoch nur nach schwierigen Gesprächen für mich allein entscheiden. Die Finanzierung stand lange auf wackeligen Beinen. Eine gute Vernetzung an der Hochschule und mit den Projektpartnern kann aber viele Synergien bündeln und alles etwas einfacher machen. Rückblickend würde ich sagen: Gerne wieder, mit so einem Team im Rücken! 

Die Fragen stellte Jessica Hellmuth, verlagsherstellung.de

AnsprechpartnerinProf. Inés Heinze (info (at) veredelungslexikon.de). 

Die Musterbox ist unter www.veredelungslexikon.de zu einem Preis von 59,- EUR zu beziehen. Studierende zahlen weiterhin lediglich 25,- EUR.

Die Musterbox können Sie auch über unseren Shop erwerben.